Beijing, Shanghai, Shenzhen und Hongkong in einer Reise. Vier Städte, die kaum unterschiedlicher sein könnten – und genau deshalb wollten wir sie sehen.
Und wahrscheinlich kann man als Kreativer den eigenen Blick ohnehin nicht zu Hause lassen. Man schaut auf Architektur und Menschen, auf Marken, Mode und Mobilität, auf Kunst und öffentliche Räume. Und darauf, wie eine Stadt sich selbst inszeniert. China hat uns dabei vor allem eines gezeigt: Jede Stadt ist einzigartig.
In Beijing liegen Jahrhunderte manchmal nur eine Metrofahrt auseinander. Verbotene Stadt, Hutongs und die Große Mauer auf der einen Seite, zeitgenössische Kunst und eine riesige Metropole auf der anderen.
Besonders hängen geblieben ist uns der 798 Art District. Zwischen ehemaligen Industriehallen, Galerien und dem UCCA begegnet einem eine andere Seite der Stadt – und Kunst, die Fragen stellt, statt Antworten zu liefern. Vielleicht war Beijing gerade deshalb ein guter Anfang: weil hier ständig Dinge nebeneinanderstehen, die eigentlich aus völlig unterschiedlichen Zeiten kommen.

Shanghai fühlt sich anders an. Schneller, internationaler und ziemlich selbstbewusst. Zwischen Skyline, Kunst und Biennale bekommt man eine Ahnung davon, mit welchem Tempo sich diese Stadt immer wieder neu erfindet. Vergangenheit verschwindet dabei nicht unbedingt, sie steht manchmal einfach direkt neben der nächsten Zukunftsversion.
Für uns war Shanghai vor allem ein ziemlich intensiver Wechsel der Perspektive: groß denken scheint hier erst einmal der Normalzustand zu sein.
Wenn Shanghai schnell ist, wirkt Shenzhen manchmal, als wäre es noch einen Schritt weiter. Eine Stadt, die innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer 18 Millionen Metropole geworden ist und in der Technologie nicht als Zukunftsthema präsentiert wird, sondern einfach da ist. E-Mobilität, digitale Services, riesige Unternehmenscampi und Drohnenshows gehören ganz selbstverständlich zum Stadtbild.
Das Interessante daran war weniger die einzelne Technologie als das Gefühl dahinter: Dinge werden ausprobiert. Und wenn sie funktionieren, werden sie ziemlich schnell ziemlich groß.
Noch einmal eine völlig andere Welt. Dichte und Weite, Hochhäuser und Inseln, internationale Marken und kleine Läden, Fähren und Highspeed-Züge. Und mittendrin Orte wie das PMQ, in dem mehr als hundert junge Unternehmen und Kreative arbeiten, oder das M+, das Kunst, Design, Architektur und visuelle Kultur zusammenbringt.
Vielleicht war Hongkong deshalb der richtige Abschluss. Weil dort vieles gleichzeitig passieren kann, ohne dass daraus zwangsläufig ein Widerspruch wird.
Keine zehn Regeln für bessere Kreativität. Und auch keine Behauptung, nach ein paar Wochen China verstanden zu haben. Aber ziemlich viele Bilder, Eindrücke und Fragen.
Wie selbstverständlich kann Technologie werden? Wie viel Vergangenheit verträgt Zukunft? Warum wirken manche Gegensätze spannend und andere nur chaotisch? Und was passiert, wenn man Dinge miteinander verbindet, die zunächst gar nicht zusammengehören? Solche Fragen reisen ganz gut mit zurück nach Hannover.
Vielleicht sind Reisen deshalb auch Teil unserer Arbeit, obwohl wir dabei gar nicht arbeiten: Man schaut woanders hin. Und sieht danach manches zu Hause ein bisschen anders.